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Autorenforum: Karl May und Oberägypten

von Stefan Gerke (2013)

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Postkarte von Karl an Emma May vom 10.06.1899, aus: May, Karl: In fernen Zonen, Karl Mays Gesammelte Werke, Band 82, Bamberg 1999, S. 77
Postkarte von Karl an Emma May vom 10.06.1899

Unlängst erschien anlässlich des 100. Todestages von Karl May ein Artikel über Karl May in Kairo (1). Nun ist es meine Absicht, mit diesem Artikel über Karl May in Oberägypten zu berichten. Als Quellen dienten mir die Reisetagebücher Karl Mays (im folgenden RT genannt), Faksimiles von Karten und Briefen, sowie Hotelrechnungen.

Mehrere Erzählungen Karl Mays spielen zumindest teilweise in Ägypten, so z.B. das Buch „Menschenjäger" (2), welches im Zeitraum von Januar 1891 bis September 1892, also etwa 7 Jahre vor seinem Ägyptenbesuch geschrieben wurde. Inhalt der Erzählung ist die Verfolgung von Sklavenhändlern und Sklavenjägern durch den Helden Kara Ben Nemsi. Orte des Geschehens sind Kairo, Assiut und der nördliche Sudan. In Assiut befreit Kara Ben Nemsi einen jungen Mann namens „Ben Nil" aus den Händen der Sklavenhändler, dieser „Ben Nil" begleitet ihn daraufhin auf seiner weiteren Reise.
Es ist bemerkenswert, dass der Erzähler so berühmte Städte wie Luxor und Assuan mit keinem Wort erwähnt.

Reisepass: Ausgestellt bei der „Königlich Sächsischen Amtshauptmannschaft“ am 24.03.1899 in Dresden Neustadt, aus: May, Karl: In fernen Zonen, Karl Mays Gesammelte Werke, Band 82, Bamberg 1999, S. 49Lange wurde in Fachkreisen diskutiert, ob Karl May im Orient oder in Nordamerika gewesen ist, bevor er seine Reiseerzählungen schrieb. Der „Meister der Illusionen“ (3) verstand es stets, dem Leser zu vermitteln, als wäre er persönlich involviert gewesen.
Die Forschung hat inzwischen eindeutig bewiesen, dass dieses nicht der Fall war. Diese Tatsache hat den Poeten Eugen Roth zum Schreiben eines Gedichtes mit dem Titel „Daheimbleiben(4) inspiriert:

„Und ebenso war der Karl May,
Wie man ihm nachwies, nicht dabei.
Er machte große Reisen zwar;
Nachträglich erst vom Honorar.“

Am 09. April 1899 um 10.30 Uhr betrat Karl May zum ersten Mal ägyptischen Boden in Port Said. Nach kurzen Aufenthalten in Port Said und Ismāilia sowie 40 Tagen in Kairo (1), reiste Karl May am 24. Mai mit dem Zug nach Assiut.

Einen Tag zuvor hatte Karl May einen Diener engagiert, der ihn bis zum 21.06.1900 begleiten sollte. Der mit ihm abgeschlossene Vertrag (5), der im Amtsdeutsch gehalten ist, beginnt wie folgt:

Sejd Hassan, aus: May, Karl: In fernen Zonen, Karl Mays Gesammelte Werke, Band 82, Bamberg 1999, S. 68„23. Mai 1899 Abschluß eines Dienstvertrags mit Sejd Hassan (Kairo, Muski, Suk el Khando):

Dienst-Vertrag
Zwischen dem Reisenden Herrn Dr. Karl May aus Dresden und dem anderen Contrahenten Sejd Hassan aus Kairo ist heute folgender Dienstvertrag abgeschlossen worden.
§ 1 Herr Dr. Karl May engagirt Sejd Hassan zu und während der jetzt von ihm anzutretenden Reise als Diener.
§ 2 Sejd Hassan hat Herrn Dr. Karl May zu begleiten, wohin es diesem beliebt, ihm vor allen Dingen Gehorsam, Treue und Ehrlichkeit zu erweisen und sich der Ausführung keines Befehls zu verweigern.“

In Assiut wird Karl May vermutlich den Staudamm besichtigt haben, von dort schreibt er einen Brief an Richard Plön (6):

„Ich melde euch mit frohem Sinn
Daß ich hier angekommen bin
Siut ist eine schöne Stadt
Die aber auch viele Schwächen hat
Diesweil sie, wie ihr alle wißt
Als Stadt und Genus weiblich ist
Doch will ich über sie nicht schelten
Und lasse nur die Schönheit gelten
Trotz dieser eil ich froh und heiter
Nach drei vier kurzen Tagen weiter
Nach Theben steht nunmehr mein Sinn
Wahrscheinlich komm ich Sonntag hin.“ (7)

Das Reisetagebuch lässt sich nicht darüber aus, was der Schriftsteller in Luxor getan hat. Gesichert ist jedoch, dass er einen Baedeker-Reiseführer (8) benutzte. Der Besichtigungsplan für Luxor sah wenigstens 5 bis 6 Tage vor:

Erster Tag: Besichtigung des großen Ammon-Tempels in Karnak und des Luksor-Tempels
Zweiter Tag: Westufer: Memmnons-Kolosse, Tempel von Medinet Habu; Deir el Medine
Dritter Tag: Ramesseum; Gräber von Schekh Abd el Kurna; Terrassentempel von Deir el Bahri; el Asasif; Drah Abu el Negga
Vierter Tag: Grabtempel Sethos I. zu Kurna; Königsgräber; Rückkehr über den Berg
Fünfter Tag: Nochmaliger Besuch des Karnak-Tempels; Besichtigung der verschiedenen Seitentempel und Pylonen; event. Ausflug nach Medamut

Karl May war sehr von Luxor und seinen Denkmälern beeindruckt, so schrieb er: „Ein einziger Tag in Karnak, Luxor, etc. etc. wiegt für mich ganze kleinasiatische Wochen auf.“ (9)
Auf einer Postkarte an Richard Plöhn vom 02.06.1899 schreibt Karl May über seine Eindrücke:
„Das Alles gesehen, aber gar nicht erstaunt darüber gewesen. Sogar entdeckt, warum Memmnon beim Morgengrauen klingt, und woran sich die Gelehrten bisher die Köpfe zerbrochen haben.“

Luxor Hotel um 1900, aus: Il Fotografo dei Faraoni Antonio Beato 1860-1905, Edizioni Pendragon, Bologna 2008, Abb. 86
Luxor Hotel um 1900

Natürlich wohnte „Dr.“ Karl May standesgemäß im besten Hotel, dem „Luxor-Hotel“ das gegenüber dem Tempel liegt. Am 04. Juni reist er per Schiff in Richtung Assuan, wo er am 6. Juni ankommt und weiterhin auf dem Wohnschiff „Sethi“ logiert. Eine Postkarte an seine Gemahlin Emma May (06.06.1899) beschreibt einen Besuch Karl Mays im Lager der Bishari-Beduinen. Er schreibt: „Das Lager liegt 6 Reitstunden von Schellal in Nubien entfernt.“ (10) Tatsache ist, dass das Lager tatsächlich 6 Reitstunden von Schellal entfernt lag, von Assuan aus liegt Schellal jedoch lediglich 15 Minuten mit einem Esel entfernt. Bis zum einschließlich 09.06.1899 besucht Karl May mehrere nubische Siedlungen bei Schellal.

Karl May 1895Den 10. und 11.06.1899 verbringt der Schriftsteller in Assuan wo er vermutlich den Tempel von Philae besichtigt. Die Rückreise nach Kairo beginnt am 12.06.1899, am 13.06.1899 erreicht Karl May Qena, wo er im „Dentera-Hotel“ absteigt. Es ist anzunehmen, dass er den nahegelegenen Tempel von Dendera besichtigte. Der 14. und 15.06.1899 sieht den Reiseschriftsteller in Sohag, er schreibt, dass er im Abydos-Hotel die gesamte erste Etage zur Verfügung hat. (RT, 15.06.1899) Gesichert ist ein Besuch des Tempelkomplexes von Abydos.

Am 16.06.1899 reist Karl May über el-Minya zurück nach Kairo.

Lassen sie mich diesen Artikel mit einer kleinen Anekdote beenden: Von Kairo schickt Karl May mehrere Postkarten an Freunde in Deutschland. Unterschrieben sind diese Karten von ihm selbst und von „Ben Nil“.

 

 

Fußnoten:

  1. Angelika Marks: Karl May in Kairo, Papyrus Magazin, Sept./ Okt.
    2012, Heft 1, S. 60-64
  2. Gesammelte Werke, Band 16, Erster Teil der „Mahdi-Trilogie“
  3. Schmiedt, 2011, S. 85
  4. Eugen Roth: Gute Reise, Hanser Verlag, München 1954
  5. Gesammelte Werke, Band 82: In fernen Zonen, S. 69
  6. Richard Plön war ein Freund Karl Mays aus Radebeul
  7. RT vom 25.05.1899
  8. Baedeker, Leipzig, 1897
  9. RT vom 05.06.1899
  10. Schellal liegt süd-östwärts von Philae am Ostufer des Nils;
    Gundlach, in: Lexikon der Ägyptologie, Bd. V, Sp. 575, Harrassowitz, Wiesbaden 1984

 

Bildnachweis:

  • Postkarte, Reisepass und Sejd Hassan: In fernen Zonen, S.77, 49 und 68
  • Luxor Hotel: Il Fotografo dei Faraoni Antonio Beato 1860-1905, Katalog, Edizioni Pendragon, Bologna 2008, Abb. 86

 

Quellen:

Bücher:

  • May, Karl: In fernen Zonen, Karl Mays Weltreisen, Karl Mays Gesammelte Werke, Band 82, Karl-May-Verlag, Bamberg 1999
  • May, Karl: Menschenjäger, Karl Mays Gesammelte Werke, Band 16 (vormals "Im Lande des Mahdi", Band 1), Karl-May-Verlag, Bamberg 1952
  • Schmiedt, Helmut: Karl May oder Die Macht der Phantasie - eine Biographie, C.H. Beck, München 2011

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