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Luxor Westbank

 


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Luxor Westbank - Totentempel von Mentuhotep II.

von Claudia Ali, 16.05.12

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Mentuhotep II. ("Montu ist zufrieden") oder auch Mentuhotep Neb-hapet-Re ("Herr des Ruders des Re") war Pharao der 11. Dynastie und Begründer des Mittleren Reichs. Während seiner 51 Jahre dauernden Regierungszeit von ca. 2061 bis 2010 v. Chr. einte er die zerstrittenen Provinzen Unter- und Oberägyptens zu einem Reich, und Theben entwickelte sich zur Haupstadt des Landes. Mentuhotep II. renovierte an zahlreichen Orten bereits vorhandene Tempel und ließ sich im Talkessel von Deir el-Bahari einen Totentempel errichten (Ach-sut Neb-hapet-Re), dessen Architektur damals einmalig war. Sie zeigt den Übergang von den Pyramidentempeln des Alten Reichs zu den Millionenjahrhäusern des Neuen Reichs und war Vorbild für den Totentempel von Hatschepsut, der rechts an den Totentempel von Mentuhotep II. angrenzt.

Deir el Bahari: Totentempel von Mentuhotep II., Hatschepsut und Thutmosis III.
Totentempel in Deir el-Bahari: I Mentuhotep, II Hatschepsut, III Thutmosis III.

Ursprünglich verband ein System von Kanälen die königlichen Totentempel mit dem Nil. In einem Totentempel wurden auch schon zu Lebzeiten des Pharaos rituelle Handlungen der Reinigung und Opferung vollzogen. Nach dessen Tod dienten sie dazu, seine Wiedervereinigung mit der höchsten Gottheit zu erreichen. Im Neuen Reich war das die thebanische Göttertriade Amun, Mut und Chonsu.




Übersichtsplan der Totentempel in Deir el-Bahari:

Die Totentempel in Deir el-Bahari - Übersichtsplan
I
II
III


A
B

->
Totentempel von
Mentuhotep II. (11. Dyn.)
Hatschepsut (18. Dyn.)
Thutmosis III. (18. Dyn.)

Tempel Mentuhoteps II.
Bab el-Hosan
Rampe

Details siehe Plan unten




Grabungsgeschichte:

Der dem Montu geweihte Totentempel von Mentuhotep II. ist der einzige halbwegs erhaltene monumentale Tempelbau des Mittleren Reiches. Nach dem Tod Mentuhoteps rückte die Verehrung für Montu zwar zu Gunsten von Amun-Re in den Hintergrund, doch bis zur frühen 20. Dynastie ergänzten verschiedene Pharaonen den Tempel mit eigenen Statuen und Stelen. Dann begann Ramses IV. mit dem Abbruch des Tempels und verwendete das Baumaterial für andere Bauvorhaben. Als auch beim benachbarten Tempel von Thutmosis III. die Stützmauern entfernt wurden, stürzten gewaltige Schuttmassen ab und lösten einen Bergrutsch aus, unter dem der Tempel von Mentuhotep versank.

Im frühen 19. Jahrhundert war der Tempel noch immer vollständig mit Schutt bedeckt. 1859 begannen ein irischer Lord und seine Helfer mit Grabungen im hinteren Teil und entdeckten Mentuhoteps Königsgrab, das Königinnengrab und den im Felsen liegenden Teil des Tempels (Speos). Im Sanktuar fanden sie ein Sitzbild von Amun-Re und einen Granitaltar von Mentuhotep - beide wurden nach Irland abtransportiert. Sie entdeckten auch das Grab der Neferu (TT319), einer Nebengemahlin Mentuhoteps, unter der 1. Terrasse des Hatschepsut-Tempels.

In den Jahren 1903-1907 erforschte Édouard Naville das Tempelareal im Auftrag des Egypt Exploration Fund. Der Tempel wurde von ihm erstmals vollständig freigelegt und systematisch erforscht. Von 1920-1931 führte Herbert E. Winlock für das Metropolitan Museum of Art nochmals 5 Kampagnen durch. Von 1967-1971 arbeitete Dieter Arnold im Auftrag des Deutschen Archäologischen Instituts in der Tempelanlage, die inzwischen schon wieder versandet war. Die Funde der frühen Grabungen befinden sich über die ganze Welt verstreut in Museen.

Totentempel von Mentuhotep II. - Der Tempel im März 1906, Foto von M. Chassinat
M. Chassinat: Der Tempel im März 1906 (nach Naville 1907)



Beschreibung:

Gleich vorneweg: Ein Rundgang durch den Tempel ist zur Zeit leider nicht möglich. Sie können ihn sich nur vom benachbarten Hatschepsut-Tempel aus ansehen oder von oben bei einer Bergwanderung.

Totentempel von Mentuhotep II. vom darüber liegenden Berg aus gesehen, (c) Markh
Totentempel von Mentuhotep II. vom darüber liegenden Berg aus gesehen

Totentempel von Mentuhotep II. vom Hatschepsut-Tempel aus gesehen
Totentempel von Mentuhotep II. vom Hatschepsut-Tempel aus gesehen

Der Tempel besaß einen - im Fruchtland versunkenen - Taltempel und einen 1,2 Kilometer langen und 46 Meter breiten Aufweg zum Totentempel, der in einen weiten bepflanzten Vorhof mündete. Es lassen sich archäologisch Wurzelgruben von 55 Sykomorenfeigen und 8 Tamarisken sowie lange rechteckige Blumenbeete nachweisen. Neben den Bäumen links und rechts der Prozessionsstraße standen 22 Statuen von Mentuhotep aus Sandstein. Herbert Winlock fand im Winter 1921/1922 eine von ihnen im Hatschepsut-Tempel. Sie befindet sich heute im Metropolitan Museum of Arts.

Statue von Mentuhotep II. im Jubiläums-Gewand aus seinem Totentempel in Deir el-Bahari, nun im MET, Sandstein, 11. Dynastie, Höhe: 252 cm, (c) Metropolitan Museum of Art Totentempel von Mentuhotep II. - Sitzstatue des Pharaos auf der unteren Terrasse
Mentuhotep im 30-Jahre-Jubiläumsgewand • Sitzstatue des Pharaos vor Ort



Bab el-Hosan (A):

1898 brach Howard Carter mit seinem Pferd auf dem Gelände vor dem Tempel in ein Loch ein und entdeckte darin Steinstufen. Erst 1899 hatte er die Möglichkeit, dieses Loch genauer zu untersuchen. Er stieß auf einen etwa 40 Meter langen, schräg nach unten führenden Grabkorridor (Dromos), der in 17 Metern Tiefe an einem Tor endete. Dahinter führte ein weiterer, 150 Meter langer Korridor abwärts in den Berg. In der Grabkammer an dessen Ende entdeckte Carter einen leeren Holzsarg, die berühmte schwarze Sitzstatue des Pharaos (Statue seines Ka) und einen 30 Meter tiefen Schacht. Er nannte dieses Zweitgrab oder Scheingrab Mentuhotep II. nach seinem Pferd Bab el-Hosan (Tor des Pferdes).

Sitzstatue von Mentuhotep II., gefunden im Bab el-Hosan bei seinem Totentempel in Deir el-Bahari, Sandstein, 11. Dynastie, Höhe: 101 cm, Ägyptisches Museum Kairo
Ka-Statue von Mentuhotep II. im Ägyptischen Museum Kairo



Grundriss:

Totentempel von Mentuhotep II. - Grundriss B
C
D
E
F
G
H
I
J
Rampe
Untere Kolonnade
Obere Kolonnade
Säulengang
Grabhügel - Pyramide
Hof
Säulenhalle
Sanktuar
Statuennische



Der vordere Teil des Tempels:

Der Tempel, von dem heute leider nicht mehr viel übrig ist, war in zwei Terrassen angelegt. Die untere, vordere Terrasse war Montu-Re geweiht, einer Verschmelzung von Montu mit dem Sonnengott Re. 1905 baute Édouard Naville auf den Resten der ursprünglichen Rampe (B) eine neue. Rechts und links von ihr befand sich die zweireihige untere Kolonnade (C).

Totentempel von Mentuhotep II. - Untere Terrasse mit Fragmenten der unteren Kolonnade
Untere Terrasse mit Fragmenten der unteren Kolonnade

Die Rampe führt zur oberen Terrasse, einem 60 Meter breiten, 43 Meter tiefen und 5 Meter hohen Podium mit der oberen Kolonnade (D), die die Terrasse an drei Seiten umgab, einem umlaufenden dreireihigen und von einer Mauer umgebenen Säulengang (E, Ambulatorium) und dem Grabhügel (F).

Totentempel von Mentuhotep II. - Blick von Norden auf die obere Terrasse mit den Fragmenten des Grabhügels
Blick von Norden auf die obere Terrasse mit den Fragmenten des Grabhügels

Im Ambulatorium (E) standen ursprünglich 140 Pfeiler. An der westlichen Rückwand befanden sich sechs kostbar dekorierte Statuenkapellen mit dazu gehörigen unterirdischen Schachtgräbern für Mentuhoteps Nebengemahlinnen Aaschit, Sadeh, Kawit, Kemsit und Henhenet sowie für die Prinzessin Majit. Die Nebenfrauen des Pharaos waren alle Priesterinnen der Hathor. Sie starben sehr jung und offenbar gleichzeitig, möglicherweise wegen einer Epidemie.

Charles K. Wilkinson: Faksimile einer Malerei im Inneren des Sarkophags von Aaschit 1926, gefunden im Totentempel von Mentuhotep II., Höhe: 33,9 cm, (c) Metropolitan Museum of Art
Charles K. Wilkinson: Faksimile der Malerei im Inneren des Sarkophags von Aaschit

Zeichnung eines Reliefs aus dem Grab vom Kemsit im Totentempel von Mentuhotep II., Naville 1913
Zeichnung eines Reliefs aus dem Grab vom Kemsit, Naville 1913

Die prächtig verzierten Sarkophage der Aaschit und Kawit befinden sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo, der schlichte Sarkophag der Henhenet im Metropolitan Museum of Art.

Der Grabhügel (F) wurde 1904/1905 von Édouard Naville freigelegt. Er bildet das eigentliche Zentrum und ist der Kernbau der vorderen Tempelhälfte. Édouard Naville und Herbert E. Winlock nahmen an, dass auf dem quadratischen Grundriss eine Grabpyramide mit einer Seitenlänge von 22 Metern und einer Höhe von 11 Metern stand. Auch in einem Papyrus aus der 20. Dynastie war von Mentuhoteps "Pyramide" die Rede. Spätere Forschungen lehnten diese Theorie aus statischen Gründen ab. Neuere Untersuchungen hingegen befürworten wieder die Pyramiden-Theorie, da 2000 das Grab eines Pharaos aus der 17. Dynastie in Dra Abu el-Naga gefunden wurde, auf dem ursprünglich eine 11 Meter lange und 13 Meter hohe Pyramide stand.

Totentempel von Mentuhotep II. - Rekonstruktion des Totentempels nach Naville 1910
Rekonstruktion des Totentempels von Mentuhotep II. nach Naville 1910

Totentempel von Mentuhotep II. - Rekonstruktion nach Dieter Arnold Totentempel von Mentuhotep II. - Rekonstruktion nach Rainer Stadelmann
Weitere Rekonstruktionen von Dieter Arnold und Rainer Stadelmann

Unter den vier Ecken des Tempels entdeckte Winlock 1921/1922 unversehrte Gründungsgruben, die während des Rituals der Grundsteinlegung in den Boden gehackt und mit Gründungsopfern versehen worden waren. Sie enthielten u. a. einen Rinderschädel, Krüge, Schalen mit Brot, Früchte, Gerste und Gründungsziegel mit den Namen von Mentuhotep II. 1970 wurden auch unter den vier Ecken des Grabhügels Gründungsgaben gefunden: Brot, Rinderrippen, Bronzefiguren, Fayence-Zepter und mit den Namen von Mentuhotep II. und einem seiner Vorgänger (Anjotef II., ca. 2121-2072 v. Chr.) beschriftete Leintuchunterlagen.



Der hintere Teil des Tempels:

Der hintere Teil diente überwiegend dem Kult des vergöttlichten Pharaos. Er war teilweise in das Bergmassiv hinein geschnitten und bestand aus einem offenen Hof (G), einer Säulenhalle (H), einem Sanktuar (I) und einer Statuennische (K).

In der Mitte des Hofes (G) führt ein 150 Meter langer Grabkorridor (Dromos) tief hinein in den Berg zu Mentuhoteps mit Granit verkleideter Grabkammer (a, Königsgrab) und zu einer Alabasterkapelle. Parallel dazu liegt links das Grab seiner Hauptgemahlin Tem (b).

Totentempel von Mentuhotep II. - Längsschnitt nach Naville 1910
Längsschnitt nach Édouard Naville 1910

Totentempel von Mentuhotep II. - Erster Teil des Grabkorridors zum Königsgrab nach Naville 1910 Totentempel von Mentuhotep II. - Wieder verschlossenes Königsgrab heute
Grabkorridor zum Königsgrab nach Naville 1910 • Wieder verschlossenes Grab

An die Säulenhalle (H) mit 8 × 10 Säulen schließt sich das Sanktuar (I) für Amun-Re an. Es besteht aus einem Langraum und einem in den Felsen geschlagenen Tempel (Speos). Die drei Außen- und vier Innenwände des Sanktuares trugen Inschriften und bemalte Reliefs. Mentuhotep II. ist in der Gegenwart von anderen Göttern zu sehen, und zwar nicht als der derjenige, der den Kult vollzieht, sondern als der, der ihn erhält.

Totentempel von Mentuhotep II. - Blick auf das Sanktuar mit Altar nach Naville 1910
Blick auf das Sanktuar mit Altar nach Naville 1910

Relief von Mentuhotep II. mit den Armen des Gottes Montu aus dem Sanktuar des Totentempels nach Naville 1910 Relief von Mentuhotep II. mit den Armen des Gottes Montu aus seinem Totentempel, nun im British Museum London, Kalkstein, 11. Dynastie, Höhe: 79 cm, (c) Tore Kjeilen
Relief aus dem Sanktuar nach Naville 1910 und im British Museum

Relief von Mentuhotep II. aus seinem Totentempel, nun im MET, Kalkstein, 11. Dynastie, Höhe: 36 cm, (c) Metropolitan Museum of Art
Relief aus dem Sanktuar im Metropolitan Museum of Art

In der Statuennische (J) wurden Mitte des 19. Jh. eine überlebensgroße Statue von Mentuhotep II. und ein Sitzbild von Amun-Re mit dem Gesicht Mentuhoteps gefunden. Als Naville sie betrat, war sie leer.



Literatur:

Édouard Naville - The XIth Dynasty Temple of Deir el-Bahari
    » Part I, 1907 - Online-Faksimile-Ausgabe
    » Part II, 1910 - Online-Faksimile-Ausgabe
    » Part III, 1913 - Online-Faksimile-Ausgabe

Dieter Arnold: Der Tempel des Königs Mentuhotep von Deir el-Bahari
    » Band I, Architektur und Deutung, 1974
    » Band II, Die Wandreliefs des Sanktuares, 1974
    » Band III, Die königlichen Beigaben, 1981



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