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Autorenforum: Medizin und Magie - Die Göttin Selket, Skorpione und deren Beschwörung

von Stefan Gerke

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I. Die Göttin Selket (Schreibvarianten: Serqet, Serket, Selqet)

Die Göttin wird in Form eines Skorpions verehrt. In den bildlichen Darstellungen erscheint sie oftmals anthropomorph mit einem Skorpion auf dem Haupt.

Selket-Figur vom Kanopenschrein Tutanchamuns, bemaltes und vergoldetes Holz, 18. Dynastie, Tal der Könige, Theben, heute im Ägyptischen Museum Kairo, (c) RanoferDie Gottheit, welche in der Gestalt eines Skorpions verehrt wird, trägt das Epitheton "Die, welche die Kehlen atmen lässt"(1). Dieser Beiname lässt auf ihre Eigenschaft als Schützerin des Lebens schließen. Neben ihrer Rolle im Totenglauben, wo sie gemeinsam mit Neith, Isis und Nephthys am Lager des Osiris wacht (2), ist sie die Herrin des Lebens schlechthin, sie schützt es auch in der hiesigen Welt. In Bezug auf den König wird sie zusammen mit anderen Gottheiten angerufen, für seine Ernährung (3) zu sorgen. Im Alltag wendet man sich an die Göttin Selket zum Schutz gegen Skorpione. Der Titel "Leiter der Selket"(4) wird von Ärzten und Magiern getragen. Ein weiteres Epitheton der Selket lautet "Die Stecherin"(5), was aufgrund ihrer Erscheinung leicht erklärbar ist.

 

II. Der Skorpion

Der Skorpion tritt in Ägypten in unterschiedlichen Varianten auf: von hellbeige bis schwarz, die Größe differiert zwischen 3 und 20 Zentimetern. Während die Stiche der kleinen und hellen meist nur sehr schmerzhaft sind, sind die der größeren und schwarzen oft letal.

Felsenskorpion aus: Popular Science Monthly Volume 51, 1897, (c) Public domainDer Stachel des Skorpions hat eine doppelte Aufgabe: er dient zur Selbstverteidigung und zur Tötung der Beute. Neben den erwähnten Aspekten ist auch das Brutverhalten des Skorpionweibchens hervorzuheben: Es trägt seine Jungen bis zu deren erster Häutung auf dem Rücken und verteidigt sie (6).

In Anbetracht der Lebensumstände im antiken und heutigen Ägypten kann es kaum verwundern, dass Begegnungen zwischen Mensch und Tier nur selten folgenlos blieben. Während jedoch den Menschen heute ausgebildete Ärzte, Krankenhäuser und Sera zur Verfügung stehen, wurden die Stiche im pharaonischen Ägypten von einem Beschwörer behandelt.

 

III. Der Beschwörer von Skorpionen

Der folgende Abschnitt soll anhand von dokumentierten Beispielen aus Deir el-Medina den Titel und seinen Tätigkeitsbereich vorstellen.

Der Titel wird mit "Magier der Serket"(7), mit "Aufseher der Skorpione"(8), mit "Beschwörer von Skorpionen"(9) und mit "Skorpionstich-heiler"(10) übersetzt. Wahrscheinlich war dessen Hauptaufgabe das Fangen von Schlangen und Skorpionen, deren giftige Bisse und Stiche oftmals dazu führten, dass die Arbeiter ihrer eigentlichen Tätigkeit krankheitsbedingt fernbleiben mussten. Der Beschwörer ist ebenfalls als Arzt dokumentiert, der die Opfer der Bisse und Stiche behandelte (11).

Arbeitersiedlung Deir el-Medina, (c) Stefan Gerke
Arbeitersiedlung Deir el-Medina

In Deir el-Medina sind fünf Personen mit dem Titel eines Beschwörers von Skorpionen attestiert:

  1. Amen-mose (I) Datierung: Regierungszeit Ramses II. (O. BM 5634, Gutgesell, Datierung II., 6) - seine Titel:
    ▪ Beschwörer von Skorpionen (12)
    ▪ Beschwörer von Skorpionen des Herrn der beiden Länder (13)
    ▪ Beschwörer von Skorpionen in der Stätte der Wahrheit (14)
  2. Ptah-shed (I) Datierung: Zweite Hälfte der Regierungszeit Ramses III. (O. Louvre 27677, Pap. Turin 1880, rto. II. 18) - sein Titel:
    ▪ Beschwörer von Skorpionen (15)
  3. Amen-mose (XXII) Datierung: Regierungszeit Ramses IV. (HO 27/3, Gutgesell, Datierung I. 253) - sein Titel:
    ▪ Beschwörer von Skorpionen (16)
  4. Nefer-hotep (XXIII) Datierung: Regierungszeit Ramses IX. bis Ramses X.
    (Pap. Turin 2072, vso. II.:9; Pap. Turin 1932) - sein Titel:
    ▪ Beschwörer von Skorpionen in der Stätte der Wahrheit (17)
  5. Amen-khau (XII) Datierung: Regierungszeit Ramses XI. (Pap. Mayer A, 3.24 + 26) - sein Titel:
    ▪ Beschwörer von Skorpionen (18)

Es ist belegt, dass der Beschwörer von Skorpionen fester Bestandteil der Gemeinschaft von Deir el-Medina war und somit auch eine monatliche Ration erhielt: "Aber merke, der Wasserträger Wsr-he-nakhte hat mir diesen Monat noch keine Getreideration gegeben."(19)

Ein Dokument (20) gibt Auskunft über den Rang eines Beschwörers in der Gemeinschaft: Der Vormann erhielt 7 1/2 Einheiten Getreide, die Arbeiter je 5 1/2 Einheiten, der Beschwörer 1 1/2 Einheiten.

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Ration das gesamte Monatseinkommen für ein so wichtiges Mitglied der Gemeinschaft war. Janssen (21) stellt die Theorie auf, dass die erwähnten 1 1/2 Einheiten Getreide als zusätzlicher Bonus zu sehen sein könnten. Demnach hätte der Beschwörer von Skorpionen, der auch als Arbeiter tätig war, neben seinem Grundgehalt von 5 1/2 Einheiten und dem Bonus von 1 1/2 Einheiten insgesamt ein Gehalt von 7 Einheiten, etwas geringer nur als das des Vormanns mit 7 1/2 Einheiten.

Ein weiteres Beispiel belegt, dass die Tätigkeit des Beschwörers nicht ausschließlich in Deir el-Medina ausgeübt wurde: "Der Beschwörer von Skorpionen Amen-mose [an den NN] und den Tempelschreiber Piay des Tempels von König Weser-Ma'at-Re, Setep-en-Re (i.e. das Ramesseum, Anm. d. Verf.), Leben, Heil, Gesundheit, im Haus des Amun im Westen von Theben. Der Prophet ist krank. Wenn mein Brief dich erreicht, sollst [du] ihm Korn, ein Gefäß Sirup und einen Dattelsaft des Festes (?) senden."(22)

Orakel:
Neben seiner Aufgabe als Mediziner wurde der Beschwörer von Skorpionen auch bei Rechtsstreitigkeiten herangezogen, so z.B. bei folgendem Eigentumsdelikt (23): Dem Zeicher Kaha wurden zwei Bekleidungsteile gestohlen. Er bat einen Beschwörer, dem Gott eine Liste der Häuser von Deir el-Medina vorzulesen, um den Täter zu identifizieren. Beim Haus des Schreibers Amen-nakhte gab der Gott ein Zeichen und sagte: "Sie sind bei seiner Tochter."

 

IV. Beschwörungsformeln

Die Beschwörungsformel ist ein Zauberspruch, der eine bestimmte zauberische Wirkung hervorbringen soll. Zaubersprüche sind der Verbalmagie zuzuordnen. Unter diesem Begriff versteht man die mündliche Kommunikation mittels eines Rituals mit dem sogenannten "Übernatürlichen".

Text A Heilspruch (24):
"Verschwindet Skorpione! Verlasst Re! Auge des Horus, verlasse den Gott! Feuer des Mundes, ich bin die, die dich erschuf, ich bin die, die dich aussandte - komme zur Erde, starkes Gift. Siehe, der große Gott hat seinen Namen gegeben. Re wird leben, wenn das Gift unwirksam ist. NN geboren von NN lebt, wenn das Gift unwirksam ist".
"Zu sprechen über einem Abbild des Atum-Horus-Heknu, einer weiblichen Figur der Isis und einem Abbild des Horus. Zu zeichnen auf die Hand des Leidenden. Von dem Mann abgeleckt zu werden. Das gleiche zu tun auf einem Stück feinen Leinen, an die Kehle des Leidenden aufzulegen. Das Kraut ist 'Skorpion-Kraut'. Zu mahlen mit Bier oder Wein. Zu trinken von dem, der an einem Skorpionstich leidet. Das ist ein exzellentes Mittel, Gift unwirksam zu machen, schon oft erprobt."

Text B Beschwörungsspruch (25):
"Stehe still, Skorpion, der unter dem Fundament hervorgekommen ist, der unter mir hervorgekommen ist, der den großen Baum, unter dem Pre sitzt, entflammt! Wenn [du] stichst - bin ich Osiris! Wenn du mich mitnimmst, bin ich Horus! Ich bin die Schlange, die aus Heliopolis hervorkam, der Feind. Aber für den Skorpion, diesen Feind - es ist ein Berg, der vor dir liegt. Du wirst nicht wissen, wie du ihn umgehen kannst. Dieser Schutz ist ein Schutz des Horus."

Text C Schutzspruch (26):
Ein längerer Text geht vorraus, es folgt:
"Worte zu sprechen über Knoblauch, gemahlen und gepulvert, mit Bier vermischt. Das Haus damit zu bestreuen in der Nacht vor Tagesanbruch. Keine männlichen Schlangen, weiblichen Schlangen, Skorpione, Reptilien, kein verstorbener Mann oder keine verstorbene Frau wird dieses Haus betreten."

Diese kleine Auswahl von drei Sprüchen zeigt, dass die Beschwörungen entweder nur aus Worten oder aber aus Worten und der Anwendung einer Medizin bestehen. Der moderne Mediziner mag an deren Wirkung zweifeln, es ist jedoch belegt, dass Verletzte durch Beschwörungen geheilt wurden.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass dieser altägyptische Brauch bis in die heutige Zeit überlebt hat und noch heutzutage angewendet wird. So ist es in Oberägypten üblich, dass das Opfer eines Skorpionstiches zu einem Priester, Iman oder Heiler geht, der den Stich dann bespricht und heilt.

 

Literatur:

Behrens, in: LÄ V Sp. 987-989 "Skorpion"
Bierbrier, in: JEA 66 (1980), Terms of Relationship at Deir El-Medina, S. 101-107
Bonnet, RÄRG
Borghouts, in: LÄ III. Sp. 1137-1151 "Magie"
Catalogue Les artistestes de Pharaon, Paris, 2002
Hornung, Die Unterweltsbücher der Ägypter
Janssen, Village Varia
v. Känel, Les prêtes-ouâb de Sekhmet et des conjurateurs de Serket, Paris, 1884
Manniche, The Tombs of the Nobles in Luxor
McDowell, Jurisdiction

 

Anmerkungen:

1) Amduat, Siebente Stunde
2) Pyr. Text, 606
3) Urk. IV. 230
4) Gardiner, in: PBSA 1917, 31, 140
5) WB V. 632, 7
6) Grizimek, Tierleben Bd. I. 412
7) Černý, Community, 46
8) Davies, Who' s who, 4
9) McDowell, Village Life in Ancient Egypt, 54
10) Hannig, WB I. 731
11) O. UC 31933, ehemals O. UC London 3, KRI VII., 214
12) Stele im Hof des Grabes TT9, KRI VII., 40:13
13) Stele BM 265
14) Ushebti Mailand, KRI VII. 39
15) Graffiti 35, 91, 389
16) O. Kairo 25660, O. Kairo 37649, 10
17) Graffito 723 a
18) Pap. Mayer A, 3.24 + 26
19) O. IFAO 177, 1-3, unpubliziert
20) O. DM 177, 1-3
21) Janssen, Village Varia, 29
22) O. UC London 31933 KRI VII. 214, Wente, Letters, 142 (Nr. 186)
23) O. Gardiner 4
24) Borghouts, Ancient Egyptian Magical Texts, NISBA 9 (1978), Text 84
25) ebd. Text 106
26) ebd. Text 121

 

 

 

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