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Luxor Westbank: Das Arbeiterdorf Deir el-Medina
- Arbeit, Alltag, Kult

von Claudia Ali, 10.04.13

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Deir el-Medina (abweichende Schreibweisen: Deir el-Medineh, Deir el-Medine, Dayr al-Madina, Dayr al-Madinah, arabisch: دير المدينة‎ "Kloster der Stadt") - so heißen heute die Ruinen einer Arbeitersiedlung im Süden der thebanischen Nekropole. Ihr Name geht auf die frühchristliche Umwandlung des dort gelegenen Hathor-Tempels in eine koptische Kirche mit Kloster zurück. Im alten Ägypten hieß der Ort "Set Ma'at“ ("Stätte der Wahrheit").

Deir el-Medina, Luxor Westbank

Das folgende Foto zeigt Deir el-Medina von oben mit Blick nach Südwesten. Die Ruinen des Arbeiterdorfs liegen als etwas dunkleres Rechteck zwischen dem Parkplatz oben links und dem von hohen Mauern umgebenen Hathor-Tempel im Vordergrund:

Luxor Westbank, Deir el-Medina aus der Luft

 

 

Das Arbeiterdorf:

Das Dorf wurde in der 18. Dynastie von Amenhotep I. und seiner Mutter Ahmose-Nefertari begründet und etwa in der Zeit von 1550 bis 1350 und 1334 bis 1069 v. Chr. bewohnt. Hier lebten die Arbeiter und Künstler, welche die berühmten Gräber im Tal der Könige und im Tal der Königinnen in die Felsen schlugen und ausgestalteten. Schon zur Zeit Thutmosis I. (1493 – 1482 v. Chr.) wurde das Dorf mit einer Lehmziegelmauer umgeben, um es zu schützen. Sie wurde später an das systematisch angewachsene Dorf angepasst bzw. durchbrochen (zuletzt hatte es eine Fläche von 5.600 Quadratmetern). Zwei streng bewachte Tore im Norden und im Westen gewährten Befugten Zugang. Auf der Karte aus dem "Atlas ilustrado del Antiguo Egipto" habe ich die Eingänge mit Pfeilen markiert und die Hauptverkehrswege blau eingezeichnet:

Bearbeitete Karte des Arbeiterdorfes Deir el-Medina, (c) Atlas ilustrado del Antiguo Egipto

Eine vermutlich überdachte, 2 Meter breite Hauptgasse teilte das Dorf in nord-südlicher Richtung in zwei Bereiche. 30 bis 120 Nekropolenarbeiter - je nach Größe des jeweils zu schaffenden Grabes - lebten hier mit ihren Familien, also bis zu 500 Personen. Archäologen legten 68 bis 70 Hausgrundmauern aus Lehmziegeln frei. Jedes Haus besaß eine Eingangshalle, einen Hausaltar, einen Ahnenschrein, ein Wohnzimmer, Schlafräume, kleine Vorratskeller und eine im Freien liegende Küche. In manchen Häusern gewährte eine Treppe Zugang zum Dach, auf dem man die heißen Sommernächte verbringen konnte. Toiletten oder Badezimmer gab es nicht - die waren der Oberschicht vorbehalten und sind z.B. im Palast von Ramses III. in Medinet Habu nachgewiesen.

Zeichnung der Siedlung in Deir el-Medina, (c) zitiert nach v7web.com
So mag es im Dorf ausgesehen haben

Ein Haus wurde in der Regel von 7 Personen bewohnt. Über die Funktion der einzelnen Räume in ihrer Abfolge gehen die Ansichten etwas auseinander - hier verschiedene Modelle:

Deir el-Medina: Der Gurndriss eines typischen Hauses, (c) Lamice Gabr, Theban Mapping Project

Dass die Eingangshalle direkt von der Straße aus zugänglich war und das Schlafzimmer im hinteren Teil des Hauses lag, erscheint allerdings plausibler:

Deir el-Medina: Der Gurndriss eines typischen Hauses, (c) zitiert nach www.ancient-egypt.co.uk und neu beschriftet

Deir el-Medina: Der Gurndriss eines typischen Hauses, (c) zitiert nach recursoshistoriaantiguaantiguoegipto.blogspot.com

So sehen die einstigen Häuser heute aus:

Grundrissmauern in Deir el-Medina, Luxor Westbank

Grundrissmauern in Deir el-Medina, Luxor Westbank

Während man Abfälle vor die Südmauer des Dorfes warf, so dass sie talwärts rollen konnten, erhoben sich an der Nordmauer einige kleine Tempel.

Gasse durch das Arbeiterdorf mit Umfassungsmauer des Hathor-Tempels in Deir el-Medina im Hintergrund
Gasse durch das Arbeiterdorf, im Hintergrund die Umfassungsmauer des
Hathor-Tempels

 

 

Die Arbeiter:

Die Grabbauer, Steinmetze, Maler, Zimmerleute, Bildhauer und Gipser von Deir el-Medina wurden "Diener am Großen Ort" (gemeint ist das Tal der Könige) oder später "Diener an der Stätte der Wahrheit" (das Arbeiterdorf) genannt. Gemeinsam mit ihren Familien führten sie ein abgeschiedenes Leben am Fuß des Bergrückens, der sich westlich des Dorfes erstreckt. Über einen steilen Trampelpfad (heute sind es Treppenstufen) gelangten sie hoch auf den Kamm. Dort gabelte sich der Weg und führte rechts hinab zu den königlichen Gräbern im Tal der Könige und links zu den Gräbern im Tal der Königinnen. Die kurzen Wege unterstützen die effiziente und präzise Arbeit der Künstlerhandwerker, die im Übrigen stilistisch immer anspruchsvoller und damit arbeitsaufwändiger wurde. Die schlichte Eleganz der älteren Königsgräber wich komplexen farbigen Reliefs mit langen Hieroglyphentexten.

Pfad von Deir el-Medina ins Tal der Könige, Luxor Westbank
Der Pfad, der vom Arbeiterdorf ins Tal der Könige führt, existiert heute noch

Wenn ein früher Tod die Regierungszeit des herrschenden Pharaos unvorhergesehen verkürzte, mussten die hinteren Grabkammern unvollendet bleiben - zum einen, weil er in einem Zeitrahmen von 70 Tagen bestattet werden musste, zum anderen, weil der neue Herrscher sofort ein eigenes Grab in Auftrag gab. In unruhigen Zeiten mit Thronfolge-Streitigkeiten arbeiteten die Arbeiter sogar an bis zu drei Königsgräbern gleichzeitig. Gab es jedoch keine derartigen Probleme und das Grab des Pharaos konnte noch zu seinen Lebzeiten fertiggestellt werden, arbeiteten die Handwerker an den Prinzengräbern im Tal der Königinnen und sogar an Gräbern der Adligen (über 500!). So es ihre Zeit erlaubte, kümmerten sie sich um ihre eigenen Grabstätten direkt neben dem Dorf.

Westlicher Froedhof in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Westfriedhof

Westlicher Friedhof in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Westfriedhof: Eingänge zu den Gräbern

Entsprechend der Gliederung des Dorfes in eine Ost- und eine Westhälfte arbeiteten die Männer in zwei Trupps. Jede Gruppe wurde von einem Vorarbeiter angeführt und überwacht. Schreiber, die zweitwichtigsten Personen in der Hierarchie, protokollierten Gehälter, verwendete Materialien und Arbeitszeiten. Eine Arbeitswoche bestand aus 8 Arbeitstagen zu 2 Schichten à 4 Stunden, auf die 2 freie Tage folgten (ein Ruhestandsalter gab es nicht). Nicht immer kehrten die Arbeiter abends in ihr Dorf zurück. Oft verbrachten sie die Nächte in einfachen Steinhütten im Tal oder oben auf dem Bergkamm. Nichts deutet allerdings daraufhin, dass sie dort selbst warme Mahlzeiten zubereiteten. Offensichtlich wurden sie von ihren Familien unten im Dorf bekocht und versorgt.

Hauptgasse in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Hauptgasse durch das Arbeiterdorf

In der 18. Dynastie waren die Arbeiter dem Bürgermeister unterstellt, seit Sethos I. aber direkt dem Pharao bzw. seinem Wesir. Damit verbesserte sich nicht nur ihre gesellschaftliche Stellung, sondern auch ihr in Naturalien ausgezahlter Lohn. Wasser, Lebensmittel, Kleidung, Nutztiere, Holz, Binsen, Kosmetika, Medizin, Töpferwaren, Arbeitsgeräte - alle lebensnotwendigen Dinge erhielten die Arbeiter von "außen". Nur Honig stellten sie selbst her. Während man Gemüsebauern, Fischer, Gärtner, Holzfäller, Töpfer, Gipser, Wäscher und Wasserträger oft direkt beschäftigte, gab es königliche Lieferanten, welche die erforderlichen Waren und Güter aus den Magazinen der Tempel heranschafften. Geliefert wurde für das Dorf im Ganzen. Schreiber waren für die Zuteilungen an die verschiedenen Haushalte verantwortlich. Als im 29. Regierungsjahr Ramses III. im Juli 1159 v. Chr. zunächst 20 Tage lang die Getreidelieferungen, also die Gehälter, ausblieben und es, nachdem dieses Problem behoben war, zwei Monate später Engpässe in der Wasserversorgung und bei der Beschaffung von Arbeitsmaterialien gab, kam es am 4. November 1159 v. Chr. zum ersten dokumentierten Streik der Weltgeschichte (Papyrus p1880 im Turiner Museo Egizio, verfasst vom Schreiber Amun-Nacht). Die Arbeiter legten die Arbeit nieder und protestierten mit dem Schlachtruf "Wir sind hungrig!" an den Totentempeln der Nekropole. Anschließend marschierten sie nach Medinet Habu und veranstalteten bis zum Abend ein Sit-in. Schon am nächsten Tag trafen wieder Brote im Dorf ein. Dennoch marschierten die Arbeiter erneut zum Tempel und übernachteten sogar dort. Wieder hatte die Aktion Erfolg. Im Verlauf der nächsten Monate und Jahre kam es zu weiteren Streiks - bis der Staat alle seine Schulden bezahlt hatte.

Streikbericht auf dem Papyrus von Amun-Nacht im Turiner Museo Egizio, gefunden in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Chronik des Streiks in Deir el-Medina im Turiner Papyrus p1880

Wenn Menschen auf engstem Raum zusammenwohnen, gibt es Streitigkeiten, Intrigen, Verleumdungen und Eifersüchteleien. So auch in Deir el-Medina. Die Anschuldigungen reichten von Bestechlichkeit über Grabraub und Nutzung der Arbeiter für private Zwecke bis hin zu Vergewaltigung. Das Leben im Dorf ist bestens dokumentiert, denn nach jüngstem Stand wurden annähernd 20.000 (!) Ostraka und 200 Papyri gefunden, (die sogar Stoff für einen vierbändigen Roman lieferten), sowie zahlreiche Stelen, Grabinschriften und Graffiti (über 900). Geklärt wurden die Zwistigkeiten entweder durch das Dorfgericht - oder ein Orakel: Wenn anlässlich von Festen die Statue des Schutzpatrons Amenhotep I. durch das Dorf getragen wurde, konnte man dieser Fragen stellen wie: "Hat Paneb meine Ziege gestohlen?" Die "Bewegung" der Statue wurde als Nicken oder Kopfschütteln gedeutet.

Trotz aller menschlichen Probleme waren die Dorfbewohner jedoch eine eingeschworene Gemeinschaft, zu der ein Außenstehender keinen Zugang hatte. Posten und Ämter wurden in der Regel vererbt. Gab es keine natürlichen Nachkommen, sorgten Adoptionen für die Aufrechterhaltung der Erbfolge.

Deir el-Medina, Luxor Westbank

Die überlieferten Schriftzeugnisse enthalten aber nicht nur Gerichtsprotokolle, Quittungen, Briefe, buchhalterische Angaben oder Statistiken. Sie erzählen uns auch etwas über die Gefühle und Ängste der Menschen von damals. Auf einem Papyrus in der umfangreichen Bibliothek des Schreibers Kenhirchopschef (Qenhikhopshef) fand sich ein "Traumbuch": 108 verschiedene Traumarten werden darin geschildert und gedeutet. Einige der Träume beschäftigen sich mit der Angst, eingeengt zu werden oder von der Außenwelt abgeschnitten zu sein - angesichts der Lebenssituation der Einwohner nur allzu nachvollziehbar. Darüber hinaus sind Rezepte überliefert: gegen das Ergrauen des Haares (Färbemitel, Balsame), gegen Kahlköpfigkeit (Tierfette, Gebete) oder Impotenz (Salben, weitere Gebete). Auch Karikaturen auf Papyri und Ostraka haben überlebt. Sie kehren die Realität auf satirische Weise um und zeigen z.B. Mäuse, die Katzen beherrschen (das Vorbild für "Tom & Jerry"?) und sich von ihnen bedienen lassen.

Eine Katze wird von Mäusen bedient, Papyrus aus Deir el-Medina, (c) Robert B. Partridge, Ancient Egypt Magazine
Papyrus mit Karikatur aus Deir el-Medina

Eine Katze wird von einer Maus bedient, Ostrakon aus Deir el-Medina, Brooklyn Museum, (c) shooting brooklyn
Ostrakon mit Karikatur aus Deir el-Medina

Selbst von ausgelassenen Dorffesten wird berichtet, bei denen Männer und Frauen gemeinsam feierten, tanzten und sich nicht nur an den köstlichen Speisen labten.

Ostrakon mit einer Tänzerin aus Deir el-Medina, Malerei auf Kalkstein, 10,5 x 16,8cm, 19. Dynastie, um 1300 v. Chr., Museum Egizio Turino, Collezione Drovetti, (c) Pubic Domain
Kalkstein-Ostrakon aus Deir el-Medina mit einer Tänzerin

Ein 2,6 Meter langer Papyrus von ca. 1150 v. Chr. bildet (unter anderem) auf groteske Weise eine Folge mit zwölf erotischen Szenen ab flankiert von Worten der Freude und des Vergnügens (sogenannter "Turiner erotischer Papyrus"). Jean-François Champollion war schockiert ob der "monströsen Obszönität", als er den Papyrus 1824 in Turin zu Gesicht bekam.

Turiner erotischer Papyrus, gefunden in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Turiner erotischer Papyrus aus Deir el-Medina

Die stark zerstörten Szenen wurden 2009 für die Dokumentation "Sex in the Ancient World" des History Channels digital ergänzt. In der Mitte ist dieselbe Szene wie oben zu sehen :

Turiner erotischer Papyrus - Rekonstruktion

 

 

Niedergang des Arbeiterdorfs:

Als unter den späten Ramessiden (20. Dynastie) die Getreidepreise drastisch stiegen, begannen die Einwohner von Deir el-Medina die Adligen-Gräber, ja sogar die Königsgräber zu berauben. Ramses XI. (1105 - 1076/1070 v. Chr.), der letzte der Ramessiden, war auch der letzte Pharao, der sein Grab im Tal der Könige bauen ließ. Nachdem man in seiner Regierungszeit gestohlene Grabobjekte in den Häusern von Deir el-Medina gefunden hatte, schloss man die Siedlung und verbrachte ihre Einwohner in den Tempel von Medinet Habu. Böse Zungen behaupten, dass sie anschließend in Qurna angesiedelt wurden...

Deir el-Medina, Luxor Westbank

Als 1737 der englische Anthropologe und Bischof Richard Pococke Ägypten bereiste und Deir el-Medina besuchte, war außer dem Hathor-Tempel nichts zu sehen. Während Sir John Gardner Wilkinson schon 1827 und 1828 einige Gräber in Deir el-Medina ausgrub, wurde die unter Felsbrocken und Sand verschwundene Siedlung erst zu Beginn des 20. Jahrhundert endgültig freigelegt. Die überwiegende Arbeit leistete von 1922 bis 1951 ein französisches Team unter der Leitung von Bernard Bruyère. So mag das Dorf mit seinen Grabkapellen einst ausgesehen haben:

Rekonstruktion des Arbeiterdorfes Deir el-Medina, Luxor Westbank, (c) zitiert nach www.mitchtestone.blogspot.com
So mag Deir el-Medina in seiner Blütezeit ausgesehen haben

 

 

Gräber:

Direkt östlich und westlich neben ihrer Wohnsiedlung bauten sich die Nekropolenarbeiter in ihrer Freizeit ihre eigenen Gräber, in denen aber niicht nur sie selbst, sondern auch sämtliche Familienangehörige bestattet wurden. Es herrschte nämlich akuter Platzmangel im westlichen Friedhof liegen die Gräber dicht an dicht nebeneinander wie die Zellen einer Bienenwabe. Sie reichen in Qualität ihrer Ausführung und Pracht ihrer Ausstattung zweifellos an die Königsgräber jener Zeit heran. Interessant ist, dass sie m Unterschied zu anderen Privatgräbern keine Alltagsszenen, keine Bankette oder Prozessionen zeigen, sondern die gleichen religiösen Szenen und Inschriften aus dem Totenbuch wie die Gräber, die sie im Tal der Könige für die Pharaonen schufen. Damit demonstrieren die Arbeiter ihre besondere Nähe zum Pharao.

Westlicher Friedhof in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Westfriedhof

Auch in der Architektur unterscheiden sich die Gräber in Deir el-Medina. Über einem Grab wurde eine steile Grabpyramide aus Lehmziegeln mit einem Kalkstein-Pyramidion an der Spitze errichtet. Davor lag ein offener Hof, der mit einer niedrigen Mauer eingefasst war und den man vom Dorf aus über Treppen erreichen konnte:

Typische Grabanlage in Deir el-Medina, Luxor Westbank, (c) zitiert nach www.ancient-egypt.co.uk

Grabpyramide in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Westfriedhof: Grabpyramide

Die Grabpyramide von Grab TT8, dem Grab des Vorarbeiters und obersten Aufsehers Cha und seiner Frau Merit, befindet sich heute im Louvre, sein vergoldeter innerer Sarg ...

Der vergoldete innere Sarg von Cha aus seinem Grab TT8 in Deir el Medina, heute im Museo Egizio Torino, (c) Hans Ollermann

... ebenso wie alle anderen Grabbeigaben, z.B. eine Sykomorentruhe von Merit mit Schminkutensilien und Salben für das Leben nach dem Tod, im Museo Egizio Torino:

Sykomorentruhe mit Schminkutensilien und Salben von Merit aus dem Grab TT8 in Deir el-Medina, Luxor Westbank, (c) Jean-Pierre Dalbera

Das Grab selbst bestand aus einem Grabschacht und einer gewölbten Grabkammer. Zu besichtigen sind in Deir el-Medina jeweils nur 3 von 4 Gräbern auf dem Westfriedhof:

Grab von Sennedjem (TT1), Deir el-Medina, Luxor Westbank, (c) unbekannt
Grab von Sennedjem (TT1)

 



Tempel:

Im Norden der Arbeitersiedlung Deir el-Medina befindet sich ein kleiner, den Göttinnen Hathor und Ma'at gewidmeter ptolemäischer Tempel, der lange von koptischen Mönchen als Kloster genutzt wurde. Er gab Deir el Medina den Namen "Kloster der Stadt". Auf, unter und neben dem Gelände befinden sich viele Grundmauern weiterer kleiner Hathor-Tempel, die schon unter Amenhotep I., Thutmosis I., Sethos I. und Ramses II. erbaut wurden.
Lesen Sie mehr über den Hathor-Tempel...

Luxor Westbank, Hathor-Tempel in Deir el-Medina
 Hathor-Tempel in Deir el-Medina

Neben Hathor und Ma'at wurden auch andere Götter verehrt. Die Begründer des Arbeiterdorfes, Amenhotep I. und seine Mutter Ahmose-Nefertar, galten als göttliche Schutzpatrone und erhielten einen eigenen Tempel an der nordwestlichen Ecke des Hathor-Tempels. Seine Ruinen wurden 1940 von französischen Archäologen ausgegraben. Soweit möglich, denn ein Teil der Mauern liegt unter denen des Hathor-Tempels.

Hathor-Tempel und Amenhotep-I.-Tempel in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Hathor-Tempel mit Ruinen des Tempels Amenhotep I. rechts davor

Amenhotep I. und seine Mutter wurden auch in Gräbern abgebildet. Die Zeichnung von Karl Richard Lepsius stammt aus TT359, dem Grab von Inherchau (das Original befindet sich leider nicht mehr an Ort und Stelle):

Zeichnung von Amenhotep I. und seine Mutter Ahmose-Nefertari in Grab TT359, Deir el-Medina, aus: Carl Richard Lepsius: Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien, 1849-1859, Abth. III, Bd. V, Bl. I
Grab von Inherchau (TT359): Amenhotep I. und Ahmose-Nefertari

Außerdem hatte das Dorf seine eigene Ortsgöttin: Meretseger - "die die Stille liebt" (oder auch: "Sie liebt das Schweigen"). Sie war allmächtig. Sie strafte Arbeiter, die Verbrechen begingen, mit Schlangen- und Skorpionbissen oder Blindheit und ließ Gnade walten bei denen, die bereuten. Sie galt als das Auge des Sonnengottes Re und bewohnte die 420 Meter hohe, pyramidenförmige Bergspitze "El-Qurn", die sich über dem Dorf erhebt. Sie war eins mit ihr.

El-Qurn, die Personifizierung von Meretseger, vom Tal der Könige aus gesehen, (c) Steve F-E-Cameron
Naturpyramide el-Qurn

Göttin Meretseger, (c)Jeff DahlMeretseger wurde in einem Felsheiligtum in der Nähe von Deir el-Medina, in mehreren kleinen Kapellen am Fuß des Berggipfels und in häuslichen Schreinen verehrt. Sie wurde meist als Kobra dargestellt - eine plattenförmige Felsformation erinnert (von Deir el-Medina aus gesehen) an eine Schlange. Sie beschützte die Toten in ihren Gräbern und spie ihr Gift auf alle, die versuchten, die Königsgräber zu zerstören oder zu berauben. Andere Abbildungen zeigen sie als Frau mit einem Schlangenkopf oder als dreiköpfige Schlange (mit je einem Kobra-, Frauen- und Geierkopf). Auf dem Kopf trug sie ein zylindrisches Hohlmaß, manchmal zusätzlich zwei Falkenfedern, eine Sonnenscheibe, eine Krone oder ein einfaches Stirnband.

Meretseger als Kobra - Ostrakon aus Deir el-Medina, Luxor Westbank
Ostrakon mit Meretseger-Darstellung aus Deir el-Medina

 

 

Schacht:

Ca. 200 Meter nordöstlich des Hathor-Tempels befindet sich ein eigentümlicher quadratischer, 52 Meter tiefer, steiler Schacht, bekannt als “Great Pit”, der am Einstieg 20 x 20 Meter misst und an den Seiten Treppen aufweist. Von 1949 bis 1959 wurde er systematisch von französischen Archäologen untersucht. Sein Zweck ist bis heute nicht abschließend geklärt (Müllkippe? Brunnen? Abbaugrube für Lehm?). Wie die Oberfläche des Bodens zeigt, blieb er unvollendet. Jedenfalls enthielt er, nachdem 5.800 Kubikmeter Schutt und Sand entfernt worden waren, interessante Funde: Statuen, Stelen, Reliefs, Möbel, Töpfer- und Korbwaren, Sandalen, Papyri - und vor allem Ostraka. Etwa 5.000 der insgesamt fast 20.000 Ostraka, die detailliert über das Arbeits- und Privatleben sowie die Arbeitsorganisation in der Siedlung berichten, stammen aus diesem Schacht.

Hathor-Tempel und Schacht in Deir el-Medina, Luxor Westbank
Hathor-Tempel und Schacht (“Great Pit”) in Deir el-Medina

Zeichnung des Schachts von Deir el Medina, (c) Pavel Onderka (nach Bernard Bruyère: Rapport sur les fouilles de Deir el-Médineh (1948 - 1951), 1953, pl. III
Zeichnung des Schachts von Deir el Medina

 

 

Ausgewählte Quellen und Literatur:

Bücher und Aufsätze:

John Romer: Sie schufen die Königsgräber - Die Geschichte einer
   altägyptischen Arbeitersiedlung, 2002
Jaana Toivari-Viitala: Deir el Medina (Development), UCLA Encyclopedia
   of Egyptology, 2011
Stefan Gerke: Deir el Medina – Geschichte einer autarken Kommune,
   Papyrus-Magazin. 2009
François Trassard, Dominique Antérion & Renaud Thomazo: Leben im alten
   Ägypten, 2005
Joseph A. Omlin: Der Papyrus 55001 und seine satirisch-erotischen
   Zeichnungen und Inschriften
, 1973

Romane:

Christian Jacq: Stein des Lichts - Roman, 4 Bände, 2000

Websites:

The Deir el Medina Database: A Survey of the New Kingdom Non-literary
   Texts from Deir el-Medina of Leiden University
Deir el Medine online: Website des Instituts für Ägyptologie und
   Koptologie der Universität München mit Datenbank der nicht-literarischen
   Ostraka aus Deir el-Medina
Egyptology at Birkbeck: Real Life at Deir el-Medina - Lectures
   [Anm. vom 04.01.16: Website nicht mehr online]
Records of the strike at Deir el Medina under Ramses III
Theban Mapping Project: Tomb Builders and Dayr al Madinah
Finnish Egyptological Society: Workmen's Huts in the Theban Mountains
   Project

 

 

Gerne organisieren wir für Sie die Besichtigung des Arbeiterdorfs, der Tempel und der Gräber von Deir el-Medina!

 

      Zu den Gräbern der Handwerkerkünstler in Deir el-Medina ...
      Zum Hathor-Tempel in Deir el-Medina ...



 
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